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Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten
und psychischer Erkrankung

WAS IST NORMAL?      WAS IST VERRÜCKT?

Viele Menschen haben keine Vorstellung davon, wie es in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aussieht, wer sich darin befindet, was Gründe sind, für einen Aufenthalt dort. Für sie, die draußen stehen, sind die Kinder und Jugendlichen, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind, nicht normal - eben verrückt. Doch was ist „normal“, was ist „verrückt“? Gibt es wirklich eine solch klare Trennlinie? Dazu haben sich Schülerinnen und Schüler der Montessori-Hauptschule, des Schlossgymnasiums und der Kolleg-Schule Kikweg in Düsseldorf ihre Gedanken gemacht.


Verrückt ist für mich

  • dass die Menschen unachtsam mit ihrer Welt umgehen
  • wenn Menschen umgebracht werden
  • wenn Menschen sich umbringen und andere mit hineinziehen
  • wenn Männer Frauen vergewaltigen
  • wenn man auf andere Menschen losgeht
  • wenn Leute jeden Tag zu Hause rumhängen
  • wenn Mädchen ihre tollen fünf Minuten kriegen und man nicht weiß, woran man ist
  • wenn Menschen wirres Zeug reden oder tun, weil sie psychisch krank sind
  • Gameboy spielen
  • S-Bahnsurfen
  • Krieg führen
  • sein Leben aufgeben
  • für mich gibt es höchstens im guten Sinn etwas Verrücktes: wenn jemand z. B. einem anderen 100 Rosen schenken würde

Normal ist für mich

  • sich dem Alltag anzupassen
  • einfach brav und lieb sein
  • einfach langweilig sein
  • wenn Fortuna verliert
  • wenn meine Mutter mich anbrüllt
  • wenn ich ausflippe
  • wenn jemand nur selten seelische Probleme hat
  • wenn jemand so handelt, wie er wirklich ist und sich nicht verstellt, nicht verrückt


Wenn jemand sagt: „Der ist ja nicht normal“, dann überlege ich immer, was ist normal? Wer ist der Maßstab in unserer Gesellschaft? Für mich gibt es kein „normal“, denn für mich ist jeder „normal“, der seine Meinung „auslebt“, der ganz er selbst ist. Normal ist der, der sich nicht anpasst! Oder ist der normal, der Markenklamotten trägt mit einer Modellfigur? Ich sage: Wenn es für mich kein „normal“ gibt, gibt es für mich auch kein „verrückt“. Oder ist jemand verrückt, der mal ausgelassen über die Straße tanzt? Oder der aus tiefer Trauer, wegen Depressionen und Problemen, von der Brücke runterspringt? Ich würde sagen: NEIN!

Kristin, 14


Man sagt, normal sind die Leute, die das machen, was alle machen, die sich so benehmen, wie alle anderen, und die, die sich so verhalten, wie sich alle verhalten. Verrückt ist alles, was nicht der „Norm“ entspricht. Alles, was vom Normalmaß „weggerückt“ ist. Ist die Norm denn wirklich der richtige Maßstab? Verrückt ist außergewöhnlich, das Gegenteil des Gewohnten. Das Wort „Verrückt“ kann man oft hören. Verrückt kann auch etwas Schönes, Lustiges sein.

Heike, 14


Verrückt definiert sich immer von unserer Gesellschaft her. Verrückt ist leider das, was wir nicht annehmen. Verrückt zieht immer gegen den Strom. Verrücktsein, heißt nicht, schlecht sein. Verrückt ist einfach nur anders. Es gibt nette und bescheuerte Verrückte. Aber es gibt auch nette und bescheuerte „Normale“.
Normal heißt nicht gut. Normal heißt angepasst. Normal ist unauffällig. Normal zieht mit der Menge. Nur normal wird akzeptiert.

Fabian, 15


NORMAL, das sind nur die anderen. Viele wollen normal sein und keiner schafft es. Normal ist, wenn die Sonne scheint, der Regen weint, der Wind an den Bäumen rüttelt und der Mensch ... das ist normal. Normal ist der, der tut, was „man“ tut.
VERRÜCKT ist, wenn die Sonne weint, der Regen scheint, und der Wind an den Menschen rüttelt. Verrückt ist, wenn man das Leben an sich rütteln lässt. Aber das ist nicht verrückt. Das heißt: zu leben.

Ansgar, 19


Die Texte stammen aus dem sehr lesenswerten Buch von: Marie-Luise Knopp, Klaus Napp (Hg.), Wenn die Seele überläuft. Kinder und Jugendliche erleben die Psychiatrie, Edition Balance im Psychiatrieverlag, 3. Auflage, Bonn 1996, Seite 18 – 20.