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STATEMENT zur Eröffnung
der Arbeitsstelle „Pastoral für Menschen mit Behinderung“
der Deutschen Bischofskonferenz, am 25. Februar 2002 in Köln
im Maternushaus/Köln

Weihbischof Dr. Franz Dietel
Beauftragter für Behindertenpastoral der Deutschen Bischofskonferenz
Bischofsvikar der Erzdiözese München und Freising



„Bischöfe setzen neue Akzente in der Behindertenpastoral“


Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, dass uns jeder Zeit genommen werden kann. Nur 4 Prozent der ca. sieben Millionen Menschen mit Behinderung in unserem Lande sind von Geburt an behindert. 96 Prozent erleiden eine Behinderung erst im Laufe ihres Lebens etwa durch Krankheit oder durch einen Unfall, über 70 Prozent sind 60 Jahre und älter.

Menschen mit Behinderung sind nicht gemeinhin die Behinderten, sondern Menschen mit einer körperlichen, sinnesbezogenen, geistigen, psychischen oder zunehmend auch mehrfach behinderten Beeinträchtigung. Oft ist es die Art und Weise, wie wir mit Ihnen umgehen, die diese Beeinträchtigung für sie erst zur Behinderung macht.

Die Bischöfe wissen sich den Anliegen der behinderten Menschen in besonderer Weise verpflichtet. Menschen mit Behinderung sind vollwertiger Teil unserer Kirche und unentbehrlich, weil sie mit letzter Deutlichkeit zur Besinnung auf letzte Grundwerte des Geschöpfseins rufen. Sie sind Zeichen der Zeit und die leicht überhörbare Stimme Gottes in lebendiger Menschengestalt. Sie bringen ein Korrektiv, das die gängige Leistungsmentalität herausfordert: Nachdenken über das, was als „normal“ gelten kann, und nachdenken über das, was den Menschen „glücklich“ macht

Mit der neuen Arbeitsstelle „Pastoral für Menschen mit Behinderung“ verbinden die deutschen Bischöfe eine fachliche Neuorientierung in der Wahrnehmung wichtiger Aufgabenfelder. Zugleich werden auf Bundesebene strukturell und organisatorisch neue Wege in der Zusammenarbeit der Deutschen Bischofskonferenz mit den Diözesen, Verbänden und Einrichtungen der Behindertenhilfe beschritten.

Künftig wird die Leitung und Geschäftsführung der einzelnen Fachbereiche der Arbeitsstelle nach dem Vorortprinzip von dem Mitarbeiter-Team im Referat Behindertenseelsorge des Erzbischöflichen Generalvikariats Köln wahrgenommen. Die neue Arbeitsstelle wird also in eine bereits bestehende Referatsstruktur integriert und durch die personellen und fachlichen Ressourcen getragen. Neuer Leiter der Arbeitsstelle ist Pfarrer Dr. Hermann-Josef Reuther.

Angesichts der Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit der Behinderungsarten aller Altersstufen ist es Aufgabe der neuen Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz, eine differenzierte und an den Bedürfnissen und Anliegen der behinderten Menschen und deren Angehörigen orientierte Pastoral zu ermöglichen mit dem Ziel, die Seelsorger, ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Diözesen, Verbänden, Organisationen und Einrichtungen der Behindertenhilfe in ihrem pastoralen Engagement zu unterstützen.

Alle, auch die Mitchristen mit Behinderung wirken auf ihre Weise am Aufbau unserer Kirche mit. Es gilt, diese Mitwirkung und Teilhabe behinderter Menschen am kirchlichen Leben konturiert zu verbessern und zu fördern.

Für die neue Arbeitsstelle ergeben sich vorrangig folgende Aufgaben:

  • „ungeteilte Anwaltschaft“ für Menschen mit Behinderung,
  • „Schaffung von Strukturen“, um diese Anwaltschaft in die Tat umzusetzen
  • „Qualifizierung von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Multiplikatoren“
    in der Behindertenpastoral.

Der pastorale Auftrag unserer Kirche ist es, das Beispiel des Herrn Jesus Christus in unserer Zeit erfahrbar werden zu lassen und sein Werk fortzuführen. Möge die Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz mithelfen, dass wir uns verstärkt den Menschen mit Behinderung annehmen und Sorge tragen, dass auch sie ein geglücktes und sinnerfülltes Leben führen können und so dass verheißene Heil schon in dieser Zeit Wirklichkeit werden zu lassen.